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Wort für die Woche

29.01.26, 12:00
  • Wort für die Woche

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„die war ganz selig, dass das noch geklappt hat“ – so ähnlich drücken wir es manchmal aus, wenn wir sagen möchten, dass jemand ganz besonders glücklich ist. Zum Beispiel weil jemand gar nicht mehr damit gerechnet hat, dass etwas funktioniert, oder weil etwa ein Kind in seine Freude regelrecht versunken ist – „er war ganz selig mit seinem neuen Spielzeug“.

Selig – das ist jedenfalls viel mehr als „zufrieden“, und ich würde sagen: es ist sogar noch eine Steigerung zu „glücklich“.

Ist denn mehr als glücklich, wer arm oder traurig ist? Ist jemand zufrieden, der hungert und dürstet nach Gerechtigkeit – und also nicht selten enttäuscht wird? Wie hoch stehen die Chancen, dass jemand glücklich und zufrieden ist, der um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird?

Jesus jedenfalls nennt – preist – sie alle und noch einige mehr „selig“ – das Evangelium dieses Sonntags kennen wir ja als die „Seligpreisungen“. Und wenn selig, wie gerade vermutet, mehr als zufrieden oder glücklich ist, dann müssten diese Menschen das doch wenigstens sein? Ich denke, dass „selig“ im Vollsinne des Wortes, wie Jesus es gebraucht, nicht einfach nur eine Steigerung von glücklich ist, wie wir es umgangssprachlich verwenden. Es meint offenbar einen Zustand, der nicht ganz einfach zu erreichen ist, sondern nur mit Gottes Hilfe – dafür aber unvergänglich. Diejenigen, die der Herr hier nennt, sind mit der Welt, wie sie ist, nicht rundum zufrieden, sie sind keine Glückspilze. Aber ihr Leben hat einen tiefen Sinn und ein klares Ziel: nämlich, es zu nutzen, um am Reich Gottes mitzubauen und ein wenig davon schon jetzt und hier spürbar werden zu lassen! Wäre diese Reich schon vollendet, dann wären alle jetzt schon selig – aber so weit ist es eben noch nicht. Unsere christliche Hoffnung, unser Gottvertrauen schenkt uns dafür schon einen Vorgeschmack davon, und der schmeckt noch besser, wenn wir anderen, und vielleicht weniger Glücklichen, auch etwas davon zu kosten geben.

Das, was uns bei Gott erwartet, nennen Theologen seit dem Mittelalter die „visio beatifica Dei“, die „seligmachende Anschauung Gottes“. In dieser Welt sehen wir Gott nur in Teilen und Umrissen, die „Seligkeit“ ist noch nicht von Dauer. Aber wir werden ganz selig sein, wenn wir dieses Leben mal geschafft haben …

Viele selige Momente und einst die ewige Seligkeit wünsche ich Ihnen!