An diesem Wochenende finden in vielen Hürther Gemeinden Neujahrsempfänge statt. Wir wünschen uns bei dieser Gelegenheit ein 'gutes neues Jahr.' Wahrscheinlich haben Sie aber auch schon in den ersten Tagen dieses Jahres festgestellt, dass da kaum etwas Neues ist: Die Menschen sind die alten mit ihren Stärken und Schwächen. Die Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt zu lösen ist die alte wie das Beispiel Venezuela zeigt. Unsere Probleme sind die selben wie 2025. Unsere Gesundheit oder unsere Krankheit ist die gleiche. Was also ist neu an diesem neuen Jahr?
Neu ist die Jahreszahl. Seit einigen Tagen schreiben wir nicht mehr 2025. Neu ist, dass die Tage des neuen Jahrs noch weitgehend offen sind, unverbraucht, gefüllt mit Chancen und Herausforderungen. Wie neu das Jahr 2026 aber wirklich wird, hängt davon ab, wie wir es gestalten. Neu wird das Jahr nur, wenn wir uns im neuen Jahr von Gott die Augen öffnen lassen und Altes und Vertrautes neu zu sehen lernen. Wenn wir etwas neues wichtiges im Leben dazu gelernt haben, sagen wir manchmal: „Ich sehe das jetzt mit anderen Augen“. Da hat sich eine neue Sicht der Dinge entwickelt, auch wenn sich vielleicht faktisch gar nichts verändert hat. Es ist neu geworden, weil wir gelernt haben, es neu sehen.
In den Lesungstexten des heutigen Sonntags, des Festes der Taufe des Herrn, lernen Menschen auch, Dinge neu zu sehen: In der Lesung aus der Apostelgeschichte ist es Petrus, der plötzlich begreift, dass sich die ersten Christen mit Ihrer Verkündigung nicht nur an das jüdische Volk, sondern an alle Menschen richten sollen. Diese neue Sichtweise ermöglichte erst die Entstehung der Weltkirche. Im Evangelium ist es Johannes der Täufer, der zunächst Jesus nicht taufen will, dann aber erkennt, dass genau dies sein Auftrag ist.
Ich wünsche auch uns für das neue Jahr, Altes manchmal mit neuen Augen zu sehen.