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Bendedikt Oyen - Pastoralassistent i. Ausb.:Was bedeuten 5 Minuten Glaube im Alltag für mich?

Für diesen Newsletter bin ich gefragt worden, was fünf Minuten Glaube im Alltag für mich bedeuten. Fünf Minuten Glauben, das kann für mich ganz unterschiedlich aussehen.
Von:
Benedikt Oyen
Pastoralassistent in Ausbildung

Das kann z. B. das feste Gebet am Morgen oder Abend sein. Das kann der Gottesdienst sein, den ich vorbereite, oder dieser Artikel, den ich gerade schreibe. Das kann der Moment sein, in dem ich merke: Hier werde ich gebraucht, hier ist meine christliche Nächstenliebe gefragt, hier soll ich mich einsetzen. Das kann auch das kurze Stoßgebet zwischendurch sein. Und nicht zuletzt sind es auch die Momente, in denen ich merke: Hier habe ich wieder richtig Mist gebaut. Hier bin ich meinem Anspruch als Christ mal wieder gar nicht gerecht geworden. Auch das sind für mich wichtige Momente des Glaubens, auch wenn sie manchmal wehtun.

„Ganz besondere“ fünf Minuten

Fels, Felsen,  Gipfel, Berg und Tal, Naturerlebnis, Ex-Bild-DB-ID: 1097

Wenn ich an fünf Minuten Glauben im Alltag denke, dann kommen mir aber vor allem diese „ganz besonderen“ fünf Minuten in den Sinn. Diese fünf Minuten erlebe ich oft in Zeiten innerer Unruhe. Vielleicht kennen Sie das. Da ist ein Problem und man findet keine Lösung. Da quält ein Gefühl, das kann Trauer sein oder Frust oder Wut oder Neid, vielleicht auch Scham, und man weiß nicht, woher es kommt oder wie man damit umgehen soll. Das können auch die negativen Gedanken sein, die einem einfach nicht aus dem Kopf gehen wollen. In solchen Zeiten finde ich mich immer wieder in der gleichen Situation wieder: Ich mache gerade einen kurzen Spaziergang in der Natur, um auf neue Gedanken zu kommen. 

Klarheit

Wintersonne, Schnee, Eis, Kälte, Winter, Frost, Licht, hell,  strahlend blauer Winterhimmel, Berge, Gebirge,  Aufnahme mit Gegenlicht,  Gegenlicht ist eine vor allem in der Fotografie verwendete Bezeichnung für eine Lichtquelle, die direkt in oder in der Nähe der Motivrichtung liegt Ex-Bild-DB-ID: 1310

Dann, nach ein paar Minuten des Grübelns und Ringens, trifft es mich plötzlich wie ein Strahl ins Herz und ich sehe alles ganz klar. Die Probleme haben sich dann zwar in der Regel nicht in Luft aufgelöst, aber meine Perspektive ändert sich und ich finde zurück zu einem inneren Frieden.

Kostbare Momente

Herz-Händer im Sonnenuntergang

In diesen Momenten spüre ich ganz fest in meinem Herzen: Hier bin ich gerade Gott begegnet, hier hat gerade mein Schöpfer mit seiner leisen Stimme zu mir gesprochen. In diesen Momenten merke ich: Ich kann gerade die Welt und mein Leben ein klein wenig durch Gottes Augen sehen. Und das verändert alles, obwohl sich von außen betrachtet erstmal gar nichts geändert hat. Ich weiß in diesen Momenten aber plötzlich, worum ich Gott bitten sollte. Z. B. darum, von einem Gedanken loslassen zu können oder zumindest davon loslassen zu wollen. Oder ein Gefühl zu akzeptieren, das nun einmal gerade da ist, dabei aber zu wissen, dass Gott mit mir durch dieses Gefühl durchgeht.

Manchmal ist es auch eine ganz konkrete Klarheit: Hier bist du gefordert, hier sollst du dich positionieren. Diese Momente sind für mich die kostbarsten fünf Minuten Glaube. Sie ereignen sich im ganz normalen Alltag und trotzdem brechen sie für ein paar Minuten aus ihm aus.

Fünf Minuten Glaube im Alltag, das kann also ganz vieles sein.

Karneval und der Kölner Dom am Rhein steigt ein rosafarbener Luftballon auf  Der Kölner Dom ist nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das dritthöchste der Welt. Ex-Bild-DB-ID: 26612

Die ganz besonderen Momente, aber auch die weniger spektakulären. So vielfältig wie der Alltag ist, so vielfältig ist auch der Glaube. Denn wenn der Glaube im Alltag gelebt werden soll und nicht in einem frommen Paralleluniversum, das beim Verlassen des Kirchengebäudes endet, dann ist der Glaube nichts anderes als das ganz normale Leben. Es ist das ganz normale Leben im Bewusstsein, dieses Leben zusammen mit Gott zu leben und ihn immer wieder um seinen Segen, seinen Geist und seinen Rat zu bitten – um so mit seiner Hilfe Stück für Stück ein klein bisschen mehr nach dem Vorbild Jesu zu leben.