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Soziales Jahr bei den Steyler Missionsschwestern:„Ich blicke mit Dankbarkeit auf diese Zeit“

Vor ca. einem Jahr durfte ich im Pfarrbrief Perspektive bereits von meinem Freiwilligendienst auf den Philippinen berichten. Dennoch möchte ich mich noch einmal kurz vorstellen:
Von:
Johannes Desery
Freiwilliges soziales Jahr

Johannes Desery aus Kendenich

Freiwilligen sozialen Jahr

Seit fast einem Jahr leiste ich im Rahmen des internationalen Freiwilligendienstes MaZ – Mitleben auf Zeit, meinen Dienst bei den Steyler Missionsschwestern in Cebu City auf den Philippinen.

Meine Einsatzstelle ist das Balay Samaritano sa Sugbo, eine Anlaufstelle für Menschen in Not. Täglich kommen dort Kinder, die mit ihren Familien auf der Straße leben. Sie erhalten einen sicheren Ort, etwas zu essen, Möglichkeiten zum Lernen, Spielen und einfach Kind sein zu dürfen. Genau dort darf ich die Kinder im Alltag begleiten, mit ihnen spielen, lernen und Zeit verbringen.

Bevor ich von meinem Alltag erzähle, möchte ich mich herzlich bei jedem bedanken, der nach meinem letzten Bericht sich dafür entschieden hat meine Arbeit und den Freiwilligendienst mit einer Spende zu unterstützen.

Wenn dieser Bericht von mir erscheint, habe ich noch ca. 10 Tage hier auf den Philippinen. Fast ein Jahr meines Freiwilligendienstes liegt hinter mir und trotzdem fühlt es sich manchmal so an, als würde ich gerade erst anfangen, diesen Ort und die Menschen wirklich zu verstehen. Das ist einer der vielen Gründe, die dieses Jahr so besonders machen. Dinge, die man über andere Menschen, andere Kulturen und Menschen generell lernt, sind auf eine ganz besondere Art möglich, wenn man an der Kultur teilhaben kann. Und die philippinische Kultur ist wirklich sehr vielfältig, und es macht großen Spaß, sie zu entdecken und in sie einzutauchen.

Ich fühle mich gerade in meinem Einsatz so wohl wie zu Hause. Das ermöglichen besonders die Menschen, mit denen ich mich umgebe, obwohl diese nicht unterschiedlicher sein könnten.

Ein ganz normaler Tag

Freiwilligen sozialen Jahr Johannes Desery - Schule

Mein Tag beginnt mit einer E-Bike-Fahrt, nachdem ich gefrühstückt habe (wenn ich nicht zu lange im Bett lag). Das sind Gefährte, die Kapazität für einen Fahrer und ca. 1–5 Passagiere haben. Es können auch sieben sein, wenn man besonders ambitioniert ist. Wenn ich auf die E-Bike-Fahrer*innen zugehe, höre ich häufig schon das „Americano“ aus der Ferne, obwohl ich fast allen bereits erklärt habe, dass ich aus Deutschland bin. Ein „Hey Joe“ bekomme ich auch fast täglich zugerufen. Am häufigsten höre ich aber „taas oi“, was so viel wie „Alter, ist der groß!“ bedeutet.

Nachdem ich mit dem E-Bike, dem Bus und meinen Füßen nach ca. 1,5 Stunden angekommen bin, erwartet mich unsere „Sicherheitsbeauftragte“ an der Tür. Sie liebt es, mir den neuesten Klatsch zu erzählen, und aus den 30 %, die ich verstehe, versuche ich mir immer 100 % zusammenzureimen. Ich glaube aber, manche Geschichten sind noch absurder, als ich sie mir vorstellen kann. Ihre Urgroßcousine hat vergangenes Wochenende ihre Hochzeit gefeiert, und wie viel diese gekostet hat, weiß ich jetzt auch.

Nachdem ich beim Reinkommen allen im Balay Samaritano Hallo gesagt habe, werde ich von der Köchin des Balays zu meinem morgendlichen Kaffee aufgefordert. Sie ist auch die Erste, der auffällt, wenn ich beim Friseur war oder im Ukay-Ukay-Laden (Second Hand) ein neues T-Shirt gekauft habe.

Danach geht’s dann auf die Straße. Dort sammeln wir die meist schon strahlenden Kinder ein. Jeder Tag bringt eine andere Gruppenkonstellation an Kindern hervor und erfordert eine etwas andere Herangehensweise. Diese Kinder sind der Grund, warum ich hierhergekommen bin, und sie sind auch der Grund, warum ich eigentlich nicht mehr weg möchte. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen, und ich freue mich jeden Morgen darauf, mit ihnen den Vormittag zu verbringen und gemeinsam das Programm zu gestalten. Letztens haben wir einen gemeinsamen kleinen Ausflug gemacht, und die Kinder haben sich riesig gefreut, im Park Basketball oder Badminton zu spielen oder andere Spiele auszuprobieren. Ich finde es bemerkenswert, wie viel Energie die Kinder haben.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen und nachdem wir Freiwilligen die Räumlichkeiten geputzt haben, bleibe ich meist noch gerne bei der Arbeit und verbringe Zeit mit der Köchin oder der Studentin, die im Balay Samaritano lebt.

Mein Zuhause auf den Philippinen

Spielende Kinder auf einer Wiese

Wenn mir dann einfällt, dass ich noch einen langen Weg nach Hause vor mir habe, mache ich mich auf den Weg. Häufig mit dem „Mobile Feeding“, das wir Freiwilligen an die Menschen auf den Straßen verteilen. Auf dem Weg zu meinem Haus im Housing Project San Pio Village werde ich von den Kindern des Dorfes überrumpelt mit Fragen wie, ob ich später wieder zum Boxen gehe oder was denn in meinem Rucksack ist.

Nachdem ich mich dann zu Hause von den Energiebündeln bei der Arbeit erholt habe, gehe ich jeden Tag ins Prime Fight Gym bei mir im Ort. Dort mache ich die Kampfsportart Muay Thai, die für mich den Tag perfekt abrundet. Meist bleibe ich, bis der Laden schließt, und unterhalte mich noch mit den Coaches und anderen Freunden.

Wenn das Timing passt, holt mich dann mein Lieblings-E-Bike-Fahrer ab. Er begrüßt mich mit einem „my friend“ und ich ihn mit einem „ameego“. Wir quatschen dann darüber, wie das Training war oder wie es seinen drei Töchtern geht.

Zu Hause angekommen, koche ich dann eines der fünf Gerichte, die ich kann, und falle anschließend ins Bett. So geht das dann jeden Tag.

Freundschaften

Freiwilligen sozialen Jahr Freundschaften

Ich besuche auch gerne die SSPS, die ca. zwei Stunden entfernt ihr Haus haben. Auch hier habe ich meine Freunde oder eher gesagt Freundinnen. Bei den Schwestern fühle ich mich sehr wohl und habe schöne Gespräche mit den alten, aber auch den jungen Schwestern. Die beiden „ayangs“ (Darling), zwei junge Schwestern, kommen aus Indonesien, und ihre humorvolle Art ist wirklich ansteckend. Wenn es erlaubt wird, unternehmen wir etwas in Begleitung meiner besten Freundin, die bei den Schwestern lebt und arbeitet.

Auch mit Freunden außerhalb von Cebu unternehme ich gerne Dinge, gehe zum Strand oder besuche sie zu Hause in den bergigeren Regionen Cebus.

Ein Alltag der nachdenklich macht

Freiwilligen sozialen Jahr Alltag

Neben diesem Alltag gibt es aber auch die Momente, die mich besonders zum Nachdenken bringen.

Mein Einsatz ist aber natürlich nicht nur von positiven Dingen geprägt, und es wäre realitätsfern, ihn so darzustellen. Über manche, meist private Dinge möchte ich nicht näher sprechen, aber man darf nicht vergessen, dass das Leben der Menschen, mit denen ich arbeite, hauptsächlich und teilweise vollständig auf der Straße stattfindet und dieses Leben viele Probleme mit sich bringen kann. Diese Probleme bestehen unter anderem aus zwischenmenschlichen Konflikten, aber auch aus gesundheitlichen Beschwerden.

Auch außerhalb der Arbeitsstelle begegnet mir viel Leid, das kaum in Worte zu fassen ist. Father Heinz Küleke ist ein deutscher Pfarrer, der seit vielen Jahren auf den Philippinen wirkt und unter anderem regelmäßig auf Mülldeponien fährt. Hier leben Menschen, Kinder und Familien über mehrere Generationen hinweg. Ich hatte die Chance, ihn mehrmals zu begleiten, und es war jedes Mal eine intensive Erfahrung, die Menschen dort zu sehen. Sie verdienen ihr Geld, indem sie aus dem Müll „Wertgegenstände“ herausholen und diese verkaufen.

Man muss nicht einmal extra zu solchen Orten wie den Mülldeponien fahren. Auch vor der eigenen Tür, bei den Nachbarn oder auf dem Weg zur Arbeit begegnen mir Dinge, die mir aus der eigenen Heimat so fremd sind, mir aber dennoch so nahegehen, weil es genauso Menschen wie ich sind. Doch diese Menschen sind nicht durch ihr Leid definiert, sondern durch ihre Persönlichkeiten, wie zum Beispiel mein „igsoon“ (Bruder). Er lebt auf der Deponie und hat blondes Haar wie ich. Er hat den scherzhaften Vorschlag von Father Heinz, mit mir einen Boxkampf zu machen, lachend abgelehnt und erzählt, dass er lieber Basketball spielt.

Erinnerungen die bleiben

Man sieht: Was meinen Einsatz einzigartig macht, sind nicht nur die Orte, die ich gesehen habe, oder die Aufgaben, die ich gemacht habe, sondern die Menschen, denen ich begegnen durfte. Diese Menschen werde ich sehr vermissen.

Für jede Unterstützung und jedes Interesse an meinem Einsatz bin ich sehr dankbar.

Wer meine Arbeit oder die Arbeit der Steyler Missionsschwestern weiterhin unterstützen möchte, kann dies auch jetzt am Ende meines Freiwilligendienstes noch tun. Die Spenden kommen dem Solidaritätsfonds zugute und helfen dabei, Freiwilligendienste wie meinen und die wichtige Arbeit vor Ort zu ermöglichen.

Salamat kaayo – vielen herzlichen Dank!

Spendenkonto

Empfänger: Styler Missionsschwestern e.V.
IBAN: DE48 38621500 0000 104360
BIC: GENODED 1STB
Verwendungszweck: MaZ Soli/DJ25

Spendenquittung gerne anfordern bei maz-buchhaltung@ssps.de