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Claudia Leidner erzählt:Fünfzig Jahre, ein Leben in und für Kendenich

Zunächst möchte ich mich bei Rudolf Kusch für seine lieben Worte in der letzten perspektive aktuell bedanken. Fünfzig Jahre ehrenamtliches Engagement und zusätzlich 24 Jahre berufliche Tätigkeit für St. Johannes Baptist Kendenich - eine lange Zeit. Und doch frage ich mich manchmal, wo all die Jahre geblieben sind.
Von:
Claudia Leidner
Bild der Kirche Sankt Johannes Baptist in Kendnich aus der Vogelperspektive

Mit neun Jahren im Dienst der Gemeinde

St. Johannes Baptist Klingel

Alle Menschen zu nennen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Deshalb möchte ich am Anfang beginnen – bei meiner Kindheit und Jugend in Kendenich.

Alles begann 1976, als Pastor Rudolf Kusch erstmals Mädchen als Messdienerinnen einführte. Unbeschwert, wie man mit neun Jahren eben ist, übernahm ich diesen Dienst. Erst später wurde mir bewusst, dass dieser Schritt damals keineswegs selbstverständlich
war. Heute ist kaum noch vorstellbar, dass bis dahin ausschließlich Jungen Messdiener werden durften.

Unvergessliche Jahre im Sing- und Instrumentalkreis

Ein weiterer wichtiger Baustein meiner Jugend war die Mitgliedschaft im SKI (Singund Instrumentalkreis), den die damalige Gemeindereferentin Anne Abels-Hennen aufgebaut hatte. Ihr haben viele Kendenicherinnen und Kendenicher eine unvergessliche
Kindheit und Jugend zu verdanken. Wenn wir ehemaligen Mitglieder uns heute – oft ganz zufällig – begegnen, kommen wir fast immer auf diese gemeinsame Zeit zu sprechen. Die Erinnerungen sind unbezahlbar und sorgen oft für ein Lächeln und den
Austausch vieler schöner Anekdoten.


Im vergangenen Jahr mussten wir von Anne Abels-Hennen Abschied nehmen. Liebe Anne, danke für alles, was du uns geschenkt hast. Wir werden diese Zeit und vor allem dich nie vergessen.

Das Pfarrbüro als Lebensort: Beruf und Ehrenamt vereint

Ehepaar Leidner_Kendenich

Es folgten die Leitung von Jugendgruppen und der Einstieg in den Lektorendienst. Mit 18 Jahren wurde ich erstmals in den Pfarrgemeinderat gewählt. Dieser Aufgabe bin ich – trotz aller Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten – bis heute treu geblieben.


Mit der Ausbildung, der Heirat und schließlich einem beruflichen Neuanfang im Jahr 1990 veränderte sich mein Leben erneut. Pfarrer Rudolf Kusch bot mir die Stelle als Pfarramtssekretärin an. Bis 2014 war das Pfarrbüro in Kendenich nicht nur mein Arbeitsplatz, sondern auch ein wichtiger Lebensort. Das kirchliche Leben gehörte nun nicht mehr nur zu meiner Freizeit, sondern war auch Teil meiner beruflichen Verantwortung. Die vielfältigen Aufgaben, die das Gemeindeleben Jahr für Jahr mit sich brachte, prägten meinen Alltag.

Hinzu kamen weitere ehrenamtliche Aufgaben als Kommunionkatechetin und Kommunionhelferin. Als sich viele ältere Ehrenamtliche zurückzogen, haben wir Verantwortung übernommen und versucht, die entstandenen Lücken zu schließen. 

All das mit Familie zu vereinbaren, war nicht immer einfach. Ohne die Unterstützung meiner Familie, insbesondere meines Mannes und meiner Eltern, wäre vieles nicht möglich gewesen. Später engagierten sich auch unsere beiden Töchter als Messdienerinnen und sind einen Teil meines Weges ähnlich gegangen.

Eine der größten Herausforderungen war die Organisation des Weltjugendtags im Jahr 2005. Diese Zeit war unglaublich arbeitsintensiv, zugleich aber auch bereichernd, spannend und voller besonderer Begegnungen. 

Neue Strukturen, neue Gesichter: Der Weggang von Pfarrer Kusch

Mit dem Weggang von Pfarrer Rudolf Kusch im Jahr 2006 begann für Kendenich eine neue Zeit. Das kirchliche Leben vor Ort musste sich neu organisieren. Von da an gehörten wir zum Pfarrverband Hürther Ville. Ich hatte mit Pfarrer Reinhold Steinröder
einen neuen Vorgesetzten und lernte viele engagierte Kolleginnen und Kollegen kennen.

Die Verbindung zu Rudolf Kusch und auch zu Anne Abels-Hennen ist jedoch bis heute nie abgerissen.

Mein Wunsch für Kendenich: Gemeinsam Verantwortung tragen

St. Johannes Baptist Altar mit buntem Fester

Seit 2014 bin ich wieder in meinem Ausbildungsberuf tätig und meine Arbeit hier in Kendenich beschränkt sich wieder auf das „Ehrenamt“.

Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass auch unsere Generation den Staffelstab an jüngere Menschen weitergeben kann. Im Moment ist das leider noch nicht in Sicht. Das macht mir Sorgen, denn nach fünf Jahrzehnten denkt man natürlich auch darüber nach, sich
irgendwann etwas zurückzuziehen. Gleichzeitig werden immer mehr Aufgaben auf Ehrenamtliche übertragen. Das macht es nicht leichter, Menschen für ein dauerhaftes Engagement zu gewinnen.

Für unseren Kirchort Kendenich wünsche ich mir, dass viele Menschen erkennen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für das Gemeindeleben ist. Ohne die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wird ein lebendiges kirchliches Leben
rund um unseren Kirchturm auf Dauer nicht bestehen können.

Claudia Leidner