Fragen an Daniel Krisinger

1. Kann es sein, dass unsere heutige Gesellschaft ein Problem mit dem Sterben hat?
Teilweise ja, die meisten Menschen versterben in der aktuellen Zeit in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen, seltener noch zu Hause. Dies war in den 90er Jahren noch viel häufiger der Fall, dadurch wird der Tod weitgehend aus dem Alltag der Gesellschaft verdrängt.
2. Manche reden von einem „Wandel der Bestattungskultur“: Stellen Sie das auch fest? Worin besteht dieser Wandel genau?
Ja, den Wandel der Bestattungskultur merkt man definitiv, da die Feuerbestattung die klassische Erdbestattung überholt hat.
Außerdem gibt es mittlerweile viel mehr Möglichkeiten als damals zur klassischen Erdbestattung, wie beispielsweise die Bestattung unter einem Baum.
3. Die bevorzugte Beisetzung in der katholischen Kirche ist die Erdbestattung. Warum ist das so?
Die Erdbestattung wird in der katholischen Kirche aus ethischen und symbolischen Gründen bevorzugt. Die Kirche verbietet die Feuerbestattung nicht mehr.
4. Gibt es in der katholischen Beisetzung auch Grabbeigaben? Welche Symbolik haben die Blumen bei einer Beerdigung?
Materielle Grabbeigaben gibt es bei der katholischen Beisetzung so in der Regel nicht.
Es gibt Ausnahmen bei persönlichen Gegenständen wie z.B. Fotos oder Briefe der Familie.
Die Blumen sind ein zentrales Element christlicher Trauerfeiern und vereinen Trost, Hoffnung und Vergänglichkeit.
5. Gibt es bestimmte Beisetzungsformen, die in der katholischen Bestattungskultur nicht vorgesehen bzw. verboten sind?
Ja, alle Bestattungskulturen bei der die sterblichen Überreste des/der Verstorbenen nicht an einem geweihten, öffentlichen Ort des Gedenkens wie beispielsweise dem Friedhof, im kirchlichen Raum oder in Kolumbarien beigesetzt werden, sind in der katholischen Kirche verboten.
6. Was hat sich in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf Begräbnis- und Bestattungspraxis verändert?
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Bestattungspraxis insbesondere in Deutschland so tiefgreifend verändert wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Was früher stark von kirchlichen Riten, starren gesellschaftlichen Konventionen und ortsgebundenen Familiengräbern geprägt war, ist heute ein individualisierter Bereich.
Es sind viel mehr Wünsche möglich als früher.
7. Was würden Sie Menschen im Umgang mit unserer Endlichkeit empfehlen. Oder: Wie kann z.B. auch die Gestaltung der Begräbnisfeier dazu beitragen, den Aspekt der Hoffnung für die Hinterbliebenen zu gestalten?
Jeder Mensch sollte sich auch zu Lebzeiten mit dem Tod und seinem eigenen letzten Weg auseinandersetzen und dies mit seinen Familienangehörigen teilen.
Die Gestaltung einer Trauerfeier kann entscheidend dazu beitragen, den Schmerz des Verlustes nicht isoliert stehenzulassen, sondern ihn in einen Horizont von Trost, Zuversicht und Hoffnung einzubetten – ganz gleich, ob die Feier durch einen katholischen Pfarrer oder Diakon, eine/einen evangelische/n Pfarrer/in geprägt oder durch eine freie Trauerrede individueller gestaltet ist.
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