Qui est-il, ton Dieu? Wer ist das, dein Gott?

20.02.21, 12:00

Gott, das unbegreifliche Geheimnis

Der heilige Augustinus von Hippo (345-430) gilt als einer der großen Kirchenväter des Abendlandes und gemeinsam mit Thomas von Aquin als der einflussreichste Lehrer der westlichen Kirche.

Vom ihm wird in einer Legende erzählt, dass er zu der Zeit als er an seinem Werk „De Trinitate“ - über die Dreifaltigkeit - arbeitete, am Strand spazieren ging. Da erblickt er einen kleinen Jungen, der eine kleine Grube im Sand gemacht hat und mit einem Löffel Wasser aus dem Meer schöpft und in die Grube schüttet. Als Augustinus ihn fragt, was er da mache, antwortet der Junge, er habe vor, mit dem Löffel das Meer trockenzulegen und in die Grube zu füllen. Augustinus erklärt, das sei unmöglich, und lächelt über seine Einfalt. Der Junge aber erwidert ihm, eher sei es für ihn möglich, das fertig zu bringen, als für Augustinus, in seinem Buch auch nur den kleinsten Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Und er vergleicht die Grube mit dem Buch, das Meer mit der Dreifaltigkeit und den Löffel mit dem Verstand des Augustinus, worauf er verschwindet. Da geht Augustinus in sich, betet und verfasst danach, so gut er kann, das Buch über die Dreifaltigkeit, immerhin ein Werk mit 15 Bänden.

Vor 14 Wochen habe ich diese Reihe zum Thema „Qui est-il, ton dieu? - Wer ist das, dein Gott?“ begonnen und versucht, diese Frage in den einzelnen Blogs zu beantworten. Die Legende von der Begegnung des Hl. Augustinus mit dem kleinen Jungen, der versucht, mit einem Löffel das Meer auszuschöpfen, scheint mir ein passender Kommentar zu meinem Versuch zu sein.

Über Gott sinnvoll zu reden ist ein schwieriges Unterfangen, wissen wir doch, dass wir Gott letztlich nicht definieren, ihn nicht greifbar machen können. Wir können Gott nicht beweisen und wir brauchen das auch nicht zu tun. Aber wir können aus unserer Erfahrung erzählen, wie wir Gott in unserem Leben erfahren haben. Nur übernommene Aussagen und Sprüche über Gott sind inhaltslos – Ich muss sie mit den eigenen Erfahrungen belegen können. Meine eigene Glaubenserfahrung kann letztlich die einzig wirklich glaubwürdige Quelle meiner Rede von Gott sein.

Wenn ich so von Gott rede, dann spreche ich nicht von „jenem höheren Wesen, das wir verehren,“ wie in der Satire „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ von Heinrich Böll, sondern von jemand, der sich uns mitgeteilt hat, einer Person, die sich uns immer wieder mitteilt. Denn Gott ist in unserem Leben gegenwärtig, er ist einfach da. Wir können mit ihm reden, ihn loben und preisen und auch mit ihm streiten. Wir können sicher sein, dass unser Reden nicht ins Leere geht, dass er uns hört und wahrnimmt, unsere Freude ebenso wie unseren Schmerz, unsere Trauer und unsere Not.

Diese eigenen Erfahrungen mit Gott werde ich wahrscheinlich weniger in großartigen Erlebnissen und den Höhepunkten meines Lebens machen, sondern eher da, wo Gott schweigt, wo er mir selber zur Frage wird. Wir Menschen haben ja die Fähigkeit, Fragen stellen zu können, was aber auch gleichzeitig eine Art Fluch sein kann, weil jede Antwort auf eine Frage eine neue Frage hervorbringt. Bei Kindern kann man das schön beobachten. Wenn ich versuche, einen kleinen Kind einen Sachverhalt zu erklären, kommt gern die Frage zurück „Und dann?“

Karl Rahner (05.03.1904 – 30.03.1984) hat in seinem „Grundkurs des Glaubens“ den Satz geschrieben „Der unendliche Horizont menschlichen Fragens wird als ein Horizont erfahren, der immer weiter zurückweicht, je mehr Antworten der Mensch sich zu geben vermag.“ Gott nähert sich mir in meinen Fragen und führt mich aber auch gleichzeitig weiter weg von dem, was ich tatsächlich über ihn sagen kann. Ich komme seinem Geheimnis näher und werde doch nie hinter sein Geheimnis kommen.“

Zum Schluss sei eine kleine Geschichte angefügt, die meine Überlegungen zum Reden von Gott illustrieren soll. Sie ist überschrieben mit „Der Gottsucher“ und stammt von Beat Imhof, entnommen dem Büchlein „Wahrheit und Weisheit“ aus dem Rothus Verlag.

Ein Schüler bat seinen Weisheitslehrer, er möge ihm das Geheimnis Gottes erklären, denn in allen heiligen Schriften, die er studiert habe, hätte er keine gültige Antwort gefunden. Der Meister ging auf diese Bitte nicht ein. Er forderte den jungen Mann auf: „Nimm dort drüben den Weidenkorb und hol mir damit Wasser aus dem Brunnen!“
Der Schüler befolgte die Weisung, obwohl sie ihm recht seltsam vorkam. So trug er das Wasser herbei, das fortwährend aus dem durchlässigen Korb herausfloss. Nach einer Weile fragte der Schüler nach dem Sinn dieses unsinnigen Bemühens.
Da wies der Meister auf den Korb und belehrte den Jüngling: „Viele Male hast du versucht, mit dem Korb Wasser herbeizutragen, doch jedes Mal ist es dir misslungen. Dennoch ist der Korb, der vorher unbeachtet und verschmutzt im Hof herumlag, durch deine Arbeit sauber und wie neu geworden. So ist es auch mit deinem Geist.   Er wird zwar das Geheimnis Gottes nie erfassen, aber er wird durch den steten Versuch rein und klar.“

 

Katholischer Kirchengemeindeverband Hürth

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