Qui est-il, ton Dieu? Wer ist das, dein Gott?

09.01.21, 12:00

… und kehrten auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

Hl. Drei Könige (c) Georg Kalkum

…Als sie den Stern sahen, waren sie hocherfreut ...  

Wenn ich am Fest der Heilige Drei Könige diese Stelle aus der Weihnachtsgeschichte höre, fällt mir meine Oma ein, eine einfache, liebe Frau. Wenn ihr etwas gegen den Strich ging, waren das Leute, die die Nase hoch trugen und sich über andere erhoben. Den Satz mit dem Stern pflegte sie mit … „und sie luden ihre Lasten den Kamelen auf …“ fortzusetzen, eine Anspielung auf die Kölner Domkapitulare, die als Zeichen ihrer Würde einen Stern auf der Brust tragen. Nicht, dass sie einen vom Domkapitel persönlich kannte; ihre Animosität gegenüber „denen da oben“ war wohl das Ergebnis ihrer Lebenserfahrung. Wer im Leben einen solch hervorgehobenen Posten erreicht hat, der nützt das auch aus.

Von den Heiligen Drei Königen ist interessanterweise im Neuen Testament nirgendwo die Rede. Die Leute, von denen Matthäus erzählt, werden „mágoi“ genannt, was man mit Sterndeuter, Astronomen, eben Wissenschaftler übersetzen könnte. Sie kommen, wie es im griechischen Text heißt, „apó anatolôn“ – nun ja, nicht direkt aus Anatolien, sondern „aus dem Osten“, aus Chaldäa, dem heutigen Irak, in der Antike die traditionelle Hochburg der Astronomie. Sie haben den Stern des „Königs der Juden“ gesehen und sind ihm gefolgt, um diesem König zu huldigen und ihm Geschenke zu bringen.

Wie kann man seinem Publikum die innere Wahrheit eines Ereignisses so vermitteln, dass sie den Hörern einleuchtet und sie diese nie wieder vergessen? Man verpackt sie in eine spannende Geschichte. Matthäus will seinen Hörern zeigen, dass Jesus der in der Heiligen Schrift angekündigte Messias ist, der „König der Juden“, der Sohn Gottes, und er tut dies sehr geschickt, indem er die Verheißungen über ihn, die natürlich jeder mit einer jüdischen Erziehung kennt, zu einer unvergesslichen Geschichte zusammenkomponiert: Der Stern stammt aus einer Weissagung des Sehers Bileam im Buche Numeri (Num. 24, 15b-17d), die Könige und das Gold werden im Buch der Psalmen erwähnt (Ps. 72, 10-15), Weihrauch und Myrrhe finden sich im Hohenlied (Hld. 3,6). Und die „mágoi“, die Wissenschaftler aus dem Osten, unterstreichen durch ihr Auftauchen in der Weihnachtsgeschichte noch, dass der Glaube an Gott vernünftig ist und dem Stand der Wissenschaft entspricht, was man vonseiten der Wissenschaftler ja nicht alle Tage hört. Dass aus den Wissenschaftlern gleich drei Könige wurden, liegt an dem Zitat aus den Psalmen und der Sehnsucht der Menschen nach einem bisschen Glamour. Drunter geht’s eben nicht.

Wenn wir in diesen Tagen den Dom besuchen und unter dem Dreikönigenschrein hindurchgehen, dann in dem Bewusstsein, dass wir uns hier nicht vor irgendwelchen Königen klein machen (die nicht mal welche sind), sondern vor dem wirklich Großen, der ohnmächtig als kleines Kind in unsere Welt kommt, aber die Machtverhältnisse der Welt auf den Kopf stellt, die Niedrigen erhöht, die Mächtigen von ihren Thronen stürzt, die Hungrigen satt macht und die Reichen davonjagt (Lk 1, 46-55). Und der letzten Endes sogar den Tod besiegt  und am Ende der Zeit wiederkommen wird, um ewig in seinem Reich zu herrschen.

Aber das Wichtigste kommt natürlich zum Schluss:  die „mágoi“, die ausländischen  Wissenschaftler mit den kostbaren Geschenken, kehren nach der Begegnung mit dem Sohn Gottes „auf einem anderen Weg in ihr Land zurück“, wie es ihnen ein Engel gesagt hat.

Wer Gott gefunden hat, sucht und findet neue Wege für sein Leben. Wer Gott begegnet, der kann eben nicht anders, als sich zu ändern.

Weil Gott es ist, der uns ändert, Gott sei Dank.

Katholischer Kirchengemeindeverband Hürth

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