Das Vaterunser

25.07.20 12:00

Das Vaterunser - Und führe uns nicht in Versuchung

Führe uns nicht in Versuchung (c) Katja Richter

Die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ löste vor ein paar Jahren ausgehend von Papst Franziskus eine Diskussion über die richtige Formulierung und das dahinterstehende Gottesbild aus. Entstanden ist die Diskussion durch die verschiedenen Übersetzungen. Die Deutsche Bischofskonferenz entschied sich dafür, mit der deutschen Formulierung nahe an der ursprünglichen Übersetzung aus dem Griechischen zu bleiben.

Papst Franziskus betonte in der damaligen Diskussion die zugrundeliegende Gottesvorstellung, dass der Vater im Himmel seine Kinder nicht in Versuchungen führt, sondern ihnen im Gegenteil sofort wieder aufhilft, wenn sie hineingeraten sind.

Diese Position findet sich in der Bibel im Jakobusbrief wieder, wo es heißt: „Doch wenn jemand in Versuchung gerät, ‚Böses zu tun‘ soll er nicht sagen: Es ist Gott, der mich in Versuchung führt! Denn so wenig Gott selbst zu etwas Bösem verführt werden kann, so wenig verführt er seinerseits jemand dazu. Nein, wenn jemand in Versuchung gerät, ist es seine eigene Begierde, die ihn reizt und in die Falle lockt.“ (Jak 1,13 +14). Der Jakobusbrief bringt den tief in der Bibel wurzelnden Glauben zum Ausdruck, dass Gott keinen Menschen zu Fall bringt; denn Gott erhört die Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Die Bibel kennt einige Geschichten von harten Glaubensproben, die Gott Menschen unterzieht, damit sie sie – mit seiner Hilfe – bestehen, wie beispielsweise bei Abraham (vgl. Genesis 22) und Hiob.

Das Neue Testament berichtet davon, dass auch Jesus selbst vor Beginn seines Wirkens vom Teufel (Satan) versucht wurde, seine Berufung zu verraten (Matthäus 4,1 f) und ihm begegneten - ebenso wie uns heute - immer wieder im Leben Situationen der Versuchungen zum Bösen. Der Kern der Versuchungen und des Bösen ist es, den Menschen von Gottes Willen und der Gemeinschaft mit ihm abzubringen. Diese Entfernung von Gott bringt Hass, Egoismus, Neid, Misstrauen und Zwietracht im menschlichen Leben hervor. Auch in der Schöpfungsgeschichte lesen wir von der Versuchung Adams und Evas durch die Schlange. Es geht dabei um die Erkenntnis von Gut und Böse und dem „Sein-wollen wie Gott“ (Genesis 3).

Die Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ zielt nicht darauf ab, Gott zu überreden, er möge sich doch dafür entscheiden, den Beter nicht in Versuchung zu führen. Es geht vielmehr darum, die eigene Schwäche zu erkennen und das Vertrauen auf Gottes Führung und Hilfe zu stärken. Mit seiner Unterstützung und im Vertrauen auf die Liebe des Vaters kann es uns gelingen, in den kleineren und größeren herausfordernden Versuchungen im Alltag standhaft zu bleiben, um dann den Willen Gottes zu erfüllen, seinen Namen zu heiligen, das Brot Gottes zu teilen, die empfangene Vergebung weiterzugeben und für die Erlösung der ganzen Schöpfung zu beten.

Katholischer Kirchengemeindeverband Hürth

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