Das Vaterunser

08.08.20 12:00

Das Vaterunser - Denn dein ist das Reich

Reich, Kraft, Herrlichkeit (c) Katja Richter

Der abschließende Lobpreis ist in den Texten der beiden Evangelisten nicht erwähnt. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts fügten Theologen dem Vaterunser diesen Text zu, um das Gebet nicht abrupt mit der Bitte um die Bewahrung vor der Versuchung (wie bei Lukas) oder um Befreiung von dem Bösen (wie bei Matthäus) enden zu lassen. Überliefert ist dieser Lobpreis in der Didache, der Lehre der zwölf Apostel und stammt aus dem Buch Daniel im Alten Testament, Kapitel 7, Verse 27-28. Mit diesem Lobpreis folgte man der jüdischen Tradition, Gebete immer mit einer Huldigung an Jahwe zu beenden.

Denn dein ist das Reich: Das Reich Gottes kommt zu uns und ist anfanghaft schon da. Es begann mit dem Leben Jesu besonders sichtbar zu werden und besteht aus einer ganz anderen Form der Macht und Herrschaft, der Herrschaft der Barmherzigkeit und Liebe.

Dein ist die Kraft: Gott möchte durch seinen Heiligen Geist in uns wirken. Dieser Geist setzt uns Menschen in Bewegung, bringt etwas in uns zum Schwingen und lässt uns das Gute tun, wenn wir ihn in uns wirken lassen. Es ist die Kraft Gottes, die uns zur Liebe und Barmherzigkeit befähigt.

Dein ist die Herrlichkeit: Die Herrlichkeit der Welt setzt auf Einfluss, Reichtum und Macht. Gottes Herrlichkeit dagegen ist anders. Sie ist der Ausdruck für Gottes einzigartiges und unveränderliches Wesen, welches ihn zwar mit Begriffen wie Pracht, Glanz, Schönheit, Stärke, Kraft, Größe, Hoheit oder Majestät umschreibt. Aber es spiegelt sich darin Gottes Wesen in seiner Bedeutung für uns wider. Denn er ist Lebensspender und unsere letzte Autorität. Gottes Größe und entgegenkommende Liebe vermag uns Menschen ewig zu beglücken und unsere Hoffnung und Sehnsüchte restlos zu erfüllen. Ihm soll unser Lob gehören, denn er hat uns Menschen liebevoll im Blick und will alles zum Guten wenden.

Der Lobreis, die „Doxologie“ (= Lobpreis auf die Herrlichkeit Gottes) wie hier am Ende des Vaterunsers, ist eine Hochform echten und tiefen Glaubens. Er kann uns von unseren Sorgen und Ängsten freimachen, indem er unseren Blick von uns weglenkt und uns dadurch verwandelt. Das Einstimmen in den Lobpreis schenkt uns die Verbindung mit jenem Gott, der uns in Jesus Christus begegnet und sich uns schenken will.

Im Loben reihen wir uns ein in den Chor all jener, die erfahren haben, dass unser Beten nicht ins Leere geht. Was Paulus an die Gemeinde von Philippi schreibt, das gilt auch uns: „Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dort her erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (Phil 3, 20–21).

Katholischer Kirchengemeindeverband Hürth

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